Landeseissportverbände

Infolge des Preisrichterskandals bei den Olympischen Spielen 2002 wurde das Wertungssystem im Eiskunstlaufen geändert. Eine Bestnote von 6,0, vergeben in der A- und B-Note, gibt es nicht mehr. Beim alten Wertungssystem wurden die Läufer relativ miteinander verglichen. Mit dem seit 2003 geltenden Berechnungsschema werden die Läufer unabhängig voneinander, also absolut, bewertet. Die neue Bewertung ist technisch anspruchsvoller, weswegen sie hier detailliert erklärt werden soll. Trotz des komplexeren Aufbaus bietet das mathematische Berechnungsschema auch einige Vorteile. Mit dem „Total Segment Score“ ist nun eine absolute Größe wie im Weitsprung oder im Sprint vorhanden. Bestenlisten und Weltrekorde sind so anzugeben und Läufer können sich nun besser mit eigenen früheren Leistungen und anderen Athleten vergleichen.

 

Anhand der Kür von Max Mustermann im Rahmen des Einzellaufens der Herren bei einer Nebelhorn Trophy soll das Bewertungsschema des Eiskunstlaufens exemplarisch dargestellt werden. Bei ISU-Wettbewerben werden im Regelfall neun Preisrichter (grün) eingesetzt. Bei kleineren Wettbewerben kann es dagegen aber auch der Fall sein, dass weniger Preisrichter an der Wertung beteiligt sind.    

 

 

Die finale Größe in einem Programmteil (im Einzel-/Paarlaufen Kurzprogramm oder Kür, im Eistanzen Kurztanz oder Kürtanz) ist der „Total Segment Score“ (schwarz eingekreist).

  • Total Segment Score = Total Element Score (rot) + Total Program Component Score (gold) - Total Deductions (blau)
  • Total Element Score: Frühere A-Note, im Programm gezeigte Elemente (Sprünge, Pirouetten, Schrittpassagen, Hebungen, Wurfelemente etc.)
  • Total Program Component Score: Frühere B-Note, Gesamtdarbietung (eisläuferische Fähigkeiten, Verbindungsschritte zwischen den Elementen, Ausführung, Choreographie, Interpretation) neben den einzelnen Elementen
  • Deductions: Abzüge für z.B. Stürze (in diesem Fall 4 Stürze)

 

 

Wenden wir uns zuerst dem technischen Ergebnis, dem „Total Element Score“ zu. Die einzelnen Elemente (hier: 13 in der Kür), welche je nach Disziplin Sprünge, Hebungen, Schrittfolgen, Pirouetten, Todesspiralen oder Würfe sein können, werden dabei aufgelistet. Die Anzahl ist vorgegeben. Die Abkürzungen und Erläuterungen sind in unserem Downloadbereich zugänglich.

  • Base Value: Schwierigkeitsgrad des Elements
  • GOE (Grade of  Execution): Qualität des ausgeführten Elements & Durchschnittswert aller Preisrichter, Skala von +3 bis -3 (+3, +2, +1, 0, -1, -2, oder -3), im Beispiel ist der Durchschnittswert nicht -2, sondern -1,4, da eine feste ISU-Werteskala diesen noch einmal umrechnet.
  • Scores of Panel = Base Value + GOE = 5,61 + (-1,40) = 4,21
  • Total Element Score = Summe aller „Scores of Panel“

Bei größeren Wettbewerben mit neun Preisrichtern wird die beste und schlechteste Bewertung der Preisrichter gestrichten.

 

 

Nun zum „Total Program Component Score“: Die Programmbestandteile (hier fünf, beim Eistanzen z.B. fällt die Choreographie weg, da sie für alle Paare gleich ist) werden mit einem Faktor belegt, um den „Total Program Component Score“ dem „Total Element Score“ anzupassen. Beim Kurzprogramm bzw. beim Kurztanz sind die Faktoren kleiner, bei der Kür und dem Kürtanz größer. Die Preisrichter vergeben hier Punkte zwischen 0 und 10 (in Schritten von 0,25). Auch hier werden bei größeren Wettbewerben die schlechteste und die beste Preisrichterwertung gestrichen.

  • Scores of Panel für Performance/Execution = (7,50 + 5,75 + 7,25 + 5,75 + 5,75 + 6,25 + 4,75 + 7,00 + 6,25) : 7 = 6,29
  • Total Program Component Score = (7,25 + 6,71 + 6,29 + 6,96 + 6,75) x 2 = 67,92
  • „Deductions“: Abzüge z.B. für Stürze (hier 4 Stürze/Falls), Zeitüberschreitungen usw.

 

 

  • Finale Größe für einen Programmteil („Total Segment Score“, schwarz eingekreist) = 65,57 + 67,92 - 4,00 = 129,49
  • Gesamtergebnis (Einzel- und Paarlaufen) = „Total Segment Score“ Kurzprogramm + „Total Segment Score“ Kür
  • Gesamtergebnis (Eistanzen) = „Total Segment Score“ Kurztanz + „Total Segment Score“ Kürtanz

 

 

 

Aufgabenverteilung beim Zustandekommen der Wertung im Eiskunstlaufen

Die Wertung im Eiskunstlaufen wird von zwei unterschiedlichen Gruppen vorgenommen: a) vom Technischen Panel, b) vom Preisgericht. Das Technische Panel besteht aus fünf Personen: Drei von ihnen entscheiden gleichberechtigt: der Technische Controller (TC), der Technische Spezialist (TS) und ein zweiter Technischer Spezialist (Assistent) (TSA). Darüber hinaus gibt es noch einen Data Operator sowie einen Replay Operator (DRO) ohne Entscheidungsbeteiligung. Wichtig hierbei: Die fünf agieren als Team. Das Preisgericht bilden der Schiedsrichter sowie bis zu neun weitere Preisrichter. Beim Calculation Operator läuft die Ergebnisermittlung zusammen. Wie das Preisgericht sitzt er direkt an der Bande.   

Die Aufgaben im Einzelnen:  

Technischer Controller

Der Technische Controller hat in der Diskussion mit den beiden Technischen Spezialisten die Führungsrolle. Ist sich das Dreier-Gespann nicht einig, entscheidet die Mehrheit. Der Technische Controller hat eine Überwachungsfunktion, leitet die Diskussion, korrigiert gegebenenfalls und greift unterstützend ein. Ein erfahrener Controller wartet ab, bis sich TS und TSA einig sind und äußert erst dann seine Meinung. Er hat stets im Blick, was eingegeben wird.  

Technischer Spezialist

Der Technische Spezialist definiert, welche Elemente gezeigt wurden und wie hoch ihre Schwierigkeit war ( = „Base Value“ auf dem Bewertungsbogen). Die Schwierigkeitsstufen für die Elemente werden von der ISU vorgegeben. Der Technische Spezialist ist oft ein ehemaliger Läufer oder ein Trainer.  

Technischer Spezialisten-Assistent

Die Zusatzbezeichnung „Assistent“ weist diesem Mitglied des Panels nicht den Stellenwert zu, den es eigentlich verdient. Der Technische Spezialisten-Assistent teilt dem Technischen Spezialisten mit, welches Element als nächstes kommt; er schreibt auf, welches Element vom Spezialisten „gecallt“ (angesagt) wurde und fordert gegebenenfalls ein „Review“ ein (erneutes Anschauen eines Elements auf dem Bildschirm), wenn er anderer Meinung ist als der Technische Spezialist.

Data Operator

Er gibt die Elemente, die ihm der Technische Spezialist nennt, inklusive Schwierigkeitsgrad in den Computer ein. Bei den Video-Reviews korrigiert er aufgrund der Ansage des Controllers.

Replay Operator

Der Replay Operator fixiert den Beginn und das Ende jedes Elements in der Videoaufnahme, um sie gegebenenfalls dem Technischen Panel oder dem Preisgericht zur Verfügung stellen zu können.

Schiedsrichter (Referee)

Der Schiedsrichter ist dafür verantwortlich, dass die ISU-Regeln umgesetzt werden. Er steuert sozusagen den Wettkampf. Er signalisiert, wann die Musik gestartet werden soll; er kann Läufer aus dem Wettkampf ausschließen, kann den Start wiederholen lassen oder den Wettkampf unterbrechen. Der Schiedsrichter macht zwar eine Bewertung, diese geht aber nicht in das Gesamtergebnis ein (es sei denn, der Schiedsrichter ist zugleich auch Preisrichter, was in kleineren Wettbewerben der Fall ist). Dennoch hat er während des Wettbewerbs die höchste Position inne. Der Technische Controller und der Schiedsrichter führen also die beiden Gruppen; in der Kommunikation nach außen vertritt jedoch nur der Schiedsrichter die Bewertung der Läufer.

Preisrichter

Maximal neun Preisrichter (bei manchen Wettbewerben können es auch weniger sein) beurteilen ausschließlich die Qualität der Darbietung (Elemente, Programmkomponenten und Abzüge). Alle Preisrichter haben einen eigenen Touchscreen, mit dem sie ihre Bewertung ins System eingeben. Dabei haben sie Zugriff auf die Videos der einzelnen Elemente; können sich diese also gegebenenfalls noch einmal anschauen. 

Calculation Operator

Nach jeder Bewertung verarbeitet der Calculation Operator die Wertungen aller oben genannten Offiziellen. Er erstellt zudem das Ergebnisprotokoll des Wettbewerbs und pflegt vor dem Wettbewerb die geplanten Elemente jedes Läufer in das System ein.

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