
Die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Prag waren der krönende Abschluss der Olympiasaison – und beste Werbung für den Sport. Die International Skating Union (ISU) hat die Event Presentation der WM mit Feuerwerk und Lichter-Show auf ein neues Level der Inszenierung gebracht, die den Sport mit seinem Show-Charakter perfekt in Szene setzt. Mehr als 127.000 Zuschauer sahen das Spektakel in der O2-Arena über die fünf WM-Tage. Für das Team der Deutschen Eislauf-Union (DEU) war die WM, angeführt von den neuen Paarlauf-Weltmeistern Minerva Hase/Nikita Volodin, ein voller Erfolg.
Highlight aus deutscher Sicht war bei der Eiskunstlauf-WM 2026 das Paarlaufen. Auf Olympia-Bronze ließen Minerva Hase/Nikita Volodin in Prag mit neuer Bestleistung von 228,33 Punkten WM-Gold folgen. Damit haben sie den WM-Medaillensatz nach Bronze 2024 und Silber 2025 komplett. "Die Leistung von Minerva und Nikita bei den Weltmeisterschaften war großartig. Ein Weltmeistertitel ist etwas Einmaliges und es ist der erste WM-Titel in ihrer Karriere. Für den deutschen Eiskunstlauf ist der WM-Titel etwas ganz Besonderes, den gewinnt man nicht jeden Tag", sagt DEU-Sportdirektor Jens ter Laak. Für die deutschen Paare fühlte sich die Kür-Entscheidung fast wie eine Heim-WM an. Viele deutsche Fans sind nach Prag gereist und säumten die Ränge mit schwarz-rot-goldenen Flaggen – eine ganz neue Fan-Kultur.
Auch das zweite deutsche Paar Annika Hocke/Robert Kunkel feierte mit Platz sieben einen starken Saisonabschluss und ging mit seinem spektakulären Headbanger durch alle Medien. "Annika und Robert haben ein tolles Programm abgeliefert und konnten wie schon bei den Olympischen Spielen zeigen, dass sie zu den besten Top-Ten-Paaren der Welt gehören. Es ist schön zu sehen, dass wir mit zwei Paaren unter den besten Paarläufern der Welt angekommen sind", so der Sportdirektor. "Wir möchten diese Erfolge als traditionelle Paarlauf-Nation auch zukünftig fortsetzen und noch mehr in die Nachwuchsarbeit der Disziplin investieren."
WM-Final-Ziele im Eistanzen und Einzellaufen erreicht
In den anderen beiden Disziplinen mit deutscher Beteiligung wurde das Ziel der WM-Finalteilnahme jeweils erreicht. Im Eistanzen konnten Jennifer Janse van Rensburg/Benjamin Steffan im Kürtanz ihren 17. Platz aus dem Rhythmustanz halten und beweisen, dass sie in die großen internationalen Finals gehören. "Jennifer und Benjamin laufen schon zehn Jahre zusammen. Es ist schön, dass sie sich am Ende der Saison, in der es nicht durchgängig gut gelaufen ist, so präsentieren konnten. Vor allem das verpasste Olympia-Finale war ein herber Schlag für die Beiden. Dass sie jetzt nochmal ihre Leistung abrufen und ins Finale einziehen konnten, ist ein tolles Ergebnis und ein schönes Erlebnis zum Ende der Saison", meint ter Laak.
Im Einzellaufen war die DEU bei den Männern durch den starken Junior Genrikh Gartung vertreten. Der Deutsche Meister schaffte es bei seinem WM-Debüt als jüngster Teilnehmer im Feld ins Finale und beendete die Kür auf Platz 24 unter insgesamt 36 Teilnehmern. "Bei Genrikh ist allein die Tatsache, dass er bei der WM seine beiden Programme, Kurzprogramm und Kür, anbieten konnte, bei dieser Konkurrenz ein großer Erfolg. Man darf nicht vergessen, dass er erst 18 Jahre alt und eigentlich noch ein Junioren-Läufer ist, und er sich in Prag schon auf internationaler Ebene mit seinem Potenzial und seiner Palette an Vierfachsprüngen vorstellen konnte", erklärt der DEU-Sportdirektor.
So lautet das Gesamt-Fazit für das DEU-Team: "Angeführt von den Weltmeistern, was ein grandioser Erfolg ist, konnten alle Sportler fast ihr Maximum rausholen. Natürlich kann jeder individuell noch einen draufsetzen, selbst die Weltmeister. Potenzial nach oben ist immer vorhanden, aber grundsätzlich ist es für uns ein sehr gutes Ergebnis, dass wir uns in allen drei Disziplinen, in denen wir am Start waren, im Finale präsentieren konnten", sagt Jens ter Laak. Bis auch die vierte Disziplin, die Frauen-Konkurrenz, mit einer deutschen Dame besetzt ist, braucht es Geduld: "Wir haben sowohl im Junioren Damen als auch im Junioren Herren Bereich potenzielle Kandidaten, die in der Zukunft Deutschland bei internationalen Meisterschaften vertreten können. Ich bin positiv eingestellt, dass wir uns nach einer Durststrecke auch bei den Frauen in den nächsten Jahren wieder präsentieren können." In der kommenden Saison werden die besten deutschen Juniorinnen noch nicht das Mindestalter für EM- und WM-Teilnahmen erfüllen.
Mehr als 127.000 Zuschauer verfolgen WM-Spektakel
Ausreichend Motivation dürfte der Nachwuchs beim Mitverfolgen der Weltmeisterschaften getankt haben. Die Organisation und Präsentation der WM-Wettbewerbe waren nochmal größer aufgezogen als bei der Eiskunstlauf-WM 2025 in Boston – und auch bei den stimmungsvollen Olympischen Winterspielen in Mailand. Der Einsatz von Lichtshows, LED-Banden, lauter DJ-Musik, Rauch-Fontänen und Feuerwerken für die Weltmeister machten das Event zu einer großen Eiskunstlauf-Party mit insgesamt mehr als 127.000 Besuchern über die vier WM-Wettbewerbstage. Zur Kür der Männer mit US-Superstar Ilia Malinin war die Halle mit rund 15.000 Zuschauern komplett gefüllt. Publikum und Sportler waren von der Stimmung begeistert. "Das war eine herausragende WM. Das sportliche Niveau bei dieser nacholympischen Weltmeisterschaft war insgesamt sehr hoch und die Atmosphäre in Prag gigantisch. Wenn an einem Donnerstagnachmittag um zwei die Halle voll ist, ist das schon bemerkenswert", sagt DEU-Präsident Dr. Andreas Wagner.
Im Rahmen der WM würdigte der DEU-Präsident gemeinsam mit dem Sportdirektor die herausragenden Leistungen der Weltmeister und Olympiamedaillengewinner Minerva Hase/Nikita Volodin und ihres mitgereisten Trainerteams Dmitri Savin und Knut Schubert und überreichte ihnen Geschenke zur Erinnerung an den besonderen Olympia-Moment in Mailand. "Außergewöhnlich am Erfolg von Minerva und Nikita ist, dass sie so rasch ein so hohes Niveau erreicht haben – mit Olympia-Medaille und WM-Gold schon im dritten gemeinsamen Jahr. Aber auch durch ihre positive Ausstrahlung und ihr sympathisches Auftreten repräsentieren sie auf perfekte Art und Weise die Sportart Eiskunstlaufen", so Dr. Andreas Wagner, der fest davon ausgeht, dass das deutsche Traum-Paar seine Karriere fortsetzt.
Text: Pamela Lechner
Foto: International Skating Union



















