
Die Paarlauf-Europameister Minerva Hase/Nikita Volodin haben bei ihrem ersten Wettbewerb der Saison die japanischen Weltmeister Riku Miura/Ryuichi Kihara geschlagen. Mit zwei atemberaubenden Programmen sicherten sich die Paarläufer aus Berlin zum dritten Mal in Folge den Sieg bei der Nebelhorn Trophy in Oberstdorf. Auch den Local Heroes Jennifer Janse van Rensburg/Benjamin Steffan gelang beim Heim-Challenger ein guter Start in die Olympiasaison. In der Nationen-Wertung der Fritz-Geiger-Memorial-Trophy erreichte das deutsche Team den Bronze-Platz.
Man merkt, dass es mit dem bevorstehenden Höhepunkt der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand (ITA; 5. bis 22. Februar) eine besondere Saison ist: Noch nie waren so viele Zuschauer*innen zur Nebelhorn Trophy nach Oberstdorf gekommen. Rund 4.000 Besucher*innen strömten über die drei Veranstaltungstage ins Eissportzentrum Oberstdorf und bekamen absolute Weltklasse-Leistungen geboten.
Die Vize-Weltmeister im Paarlaufen Minerva Hase/Nikita Volodin vom Bundesstützpunkt Berlin sind wie im Vorjahr bei ihrem ersten Wettbewerb der Saison auf die aktuellen Weltmeister getroffen und konnten diese wie 2024 schon schlagen. "Das hat bei uns Tradition", scherzte Nikita Volodin bei der Pressekonferenz der Paare nach der Siegerehrung. "Die Nebelhorn Trophy war sehr wichtig für uns. Es war toll, wie wir die Programme zum ersten Mal präsentiert haben. Wir fühlen uns dadurch selbstbewusster für die nächsten Wettbewerbe." Mit 221,38 Punkten konnten die deutschen Europameister die Japaner Riku Miura/Ryuichi Kihara (221,03 Punkte) knapp hinter sich lassen und damit auch locker die einmal verlangte hohe Olympia-Norm erfüllen. Nach dem Kurzprogramm waren die Gäste aus Japan noch vorne gelegen. Mit einer fantastischen, fast fehlerfreien Kür eroberten Hase/Volodin dann vor jubelnder Fan-Kulisse den Spitzenplatz.
"Wir sind glücklich über diesen Saisonstart, das macht Freude auf mehr", so Minerva Hase. "Wir wissen jetzt, woran wir noch arbeiten müssen und nehmen das mit ins Training." Nächster Wettbewerb ist der Challenger in Tiflis (GEO; 8. bis 10. Oktober 2025). Technisch konnte das DEU-Paar im Vergleich zur Vorsaison schon jetzt zulegen: Der Dreifach-Twist erhielt in Kurzprogramm und Kür in der Ausführung erstmals den höchsten Schwierigkeitsgrad (Level 4) und als neues Sprungelement gelang der Dreifach-Wurfflip in der Kür perfekt. Bronze ging an das US-Paar Alisa Efimova/Misha Mitrofanov (193,79 Punkte).
Erste Olympianormen für Paarläufer und Eistänzer
Die Berliner Paarläufer Annika Hocke/Robert Kunkel begeisterten die Zuschauer*innen mit ihrer neuen Kür zu "I will do anything for love" und zeigten, dass sie nach der Hand-Verletzung von Kunkel und dadurch einer schweren Vorbereitungszeit bereit sind für die Olympiasaison. In einer starken Paarlauf-Konkurrenz erreichten die EM-Dritten von 2023 den achten Platz mit 180,04 Punkten – gleichbedeutend mit der niedrigen Olympianorm, die noch ein zweites Mal bestätigt werden muss. Bis auf den Dreifach-Salchow konnten die Elemente wie geplant abgerufen werden. "Wir haben uns sehr gefreut, dass wir es geschafft haben, hier zu laufen, darauf können wir stolz sein", meinte Annika Hocke. Das dritte deutsche Paar Letizia Roscher/Luis Schuster aus Chemnitz belegte den 14. Platz (142,50 Punkte).

Starker Saisonstart der Oberstdorfer Eistänzer Jennifer Janse van Rensburg/Benjamin Steffan (Foto: Luca Tonegutti).
Im Eistanz-Wettbewerb schrammten die Oberstdorfer Jennifer Janse van Rensburg/Benjamin Steffan vor heimischer Kulisse nur hauchdünn am dritten Medaillenplatz vorbei. Nach ihrer wunderbaren, neuen Tango-Kür und 180,08 Gesamtpunkten stand fest, dass zum Bronzerang nur 0,12 Punkte fehlten. "Wir sind trotzdem mega happy, wie wir in die Olympiasaison gestartet sind. Wir haben die erste Olympianorm abgehakt und machen da weiter", berichtete Jennifer Janse van Rensburg. Im Vergleich zum Einstieg in der letzten Saison waren die Punkte deutlich höher. Nächste Wettkämpfe sind die Grand Prix Skate Canada in Saskatoon Ende Oktober und die NHK Trophy eine Woche später in Japan. "Wir reisen einmal um die Welt für die zweite Olympianorm."
Der Nebelhorn Trophy-Sieg im Eistanzen ging zum vierten Mal an die WM-Dritten aus Großbritannien Lilah Fear/Lewis Gibson (201,51 Punkte). Silber gewannen die US-Amerikaner Christina Carreira/Anthony Ponomarenko (192,35 Punkte), Bronze die Kanadier Marie-Jade Lauriault/Romain Le Gac (180,17 Punkte). Die beiden weiteren DEU-Eistanzpaare genossen es, vor so großem Publikum zu laufen, und nehmen die wertvolle Erfahrung und positive Energie in die nächsten Wettbewerbe mit. Die Berliner Karla Maria Karl/Kai Hoferichter (150,73 Punkte) wurden Siebte, Lilia Schubert/Nikita Remshevskiy (136,60 Punkte) an ihrer Trainingsstätte Achte.
Fritz-Geiger-Memorial-Trophy: Bronze für DEU-Team
Im Frauen-Wettbewerb überragte Grand-Prix-Finalsiegerin Amber Glenn (214,49 Punkte). Die US-Amerikanerin sprang zwei starke Dreifach-Axel und gewann die hochklassige Konkurrenz mit vier Läuferinnen über 200 Punkten vor der Japanerin Mone Chiba (213,64 Punkte) und der Koreanerin Jia Shin (208,45 Punkte). Die für den EC Oberstdorf laufende junge Anna Grekul kam bei ihrem Nebelhorn-Trophy-Debüt auf den 15. Rang.

Bei den Männern setzte sich mit gekonnten Vierfachen der Kanadier Stephen Gogolev (255,06 Punkte) vor US-Skater Andrew Torgashew (239,54 Punkte) und dem Schweizer Europameister Lukas Britschgi (236,06 Punkte) durch, der in Oberstdorf trainiert und so mit dem Fahrrad zum Wettbewerb kommen konnte. Bester Deutscher war auf Platz zwölf der Berliner Arthur Mai (179,47 Punkte), der zum ersten Mal in der Kür einen Dreifach-Axel landete und eine persönliche Bestleistung erzielte. Knapp dahinter auf Rang 13 kam der Deutsche Meister von 2024 Kai Jagoda (179,22 Punkte), Vize-Meister Luca Fünfer lief bei seinem NHT-Debüt auf Rang 16.
Das große deutsche Team holte in der Nationen-Team-Wertung – der Fritz-Geiger-Memorial-Trophy – hinter USA und Kanada den Bronzeplatz. Das Siegerteam erhielt als Trophäe erstmals eine gravierte Kuhglocke, die für gute Stimmung sorgte und der Coach von Amber Glenn nun mit in die USA fliegen wird. Zur abschließenden Gala kamen am Samstagabend noch einmal über 1.000 Zuschauer und feierten die Darbietungen der Medaillengewinner*innen und weiteren Teilnehmer*innen. Das Fazit des DEU-Bundesstützpunktleiters von Oberstdorf Daniel Wende lautete: "Wir haben drei Tage sehr tolle Eiskunstläufer*innen gesehen. Die Nebelhorn Trophy 2025 war beste Werbung für unseren wunderbaren Sport."
Text: Pamela Lechner / Titelfoto: Petra Lawall

Die Sieger*innen der Nebelhorn Trophy 2025 (v.li.): Stephen Gogolev, Amber Glenn, Minerva Hase/Nikita Volodin und
Lilah Fear/Lewis Gibson (Foto: Tanja Flade)




















